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Paris im Februar 2012

Schnee und Chaos
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Man mag es kaum glauben, aber es ist etwas völlig Unvorhergesehenes passiert. Plötzlich und unerwartet taucht er auf. Ohne Vorwarnung und überraschend: der Winter. Die Grade purzeln in den Keller, so, wie die Clochards von der Straße in den Untergrund der Metro. Am Morgen stehe ich vor dem Hotel am Boulevard Montmartre und sehe hinunter in Richtung Boulevard de l‘Italiens. Zwei Apotheken leiden unter dem Kälteeinbruch. Ihre grünen Funkelanzeigen flackern langsam und müde. Ich überlege und entscheide mich für die linke Seite. Dort sind es nur minus 5 Grad und es ist 8.10 Uhr. Auf der anderen Straßenseite dagegen ist es bei minus 7 Grad bereits 8.20 ist. Also über die Straße, auch mit dem Risiko genau auf der Mitte bei Grün für Fußgänger wie eine Billardkugel quer über die Rue geschleudert zu werden. Das Überqueren von Fußgängerzebrastreifen bei Grün ist in Paris nichts für Fußlahme oder ältere Menschen. Dennoch gelingt es mir, das rettende Trottoir zu erreichen, diesmal ohne größere Verluste. Das habe ich bestimmt einem kleinen brauen Männchen in seiner kleinen braunen Uniform zu verdanken, der mit einer Sackkarre gemütlich die Straße überquert. Ich halte mich dicht hinter dem mit aufgesetzten Stahlhörner versehenen Gefährt. An diesem Morgen kommt die Pariser Bürgersteigkehreinsatztruppe ihrer Aufgabe, die Trottoirs mit Wasser abzuspülen, besonders gerne nach. Kubikmeter um Kubikmeter Nass aus der Seine quellen auf das knüppelhart gefrorene Kopfsteinpflaster und die unzähligen Metalldeckel der Metro und der Kanalisation. Sarkozys Kärcher-Truppe in vollem Einsatz. In Windeseile bereiten sie damit ein kostenloses Freizeitvergnügen, dass man in Paris so nicht unbedingt kennt: Eislauflächen. Hübsch sieh es aus, ist allerdings unpraktisch, gerade vor den Treppen, die runter zur Metro führen. Die Nachrichten berichten am Abend von mehreren Stürzen, wobei die Anzahl zwischen Tausend und einer Million schwankt. Sie verliefen jedoch glimpflich, da die meisten geschliddert sind, als sie von der U-Bahn nach oben gestiegen sind und zum Glück nicht umgekehrt. Wer jemals aus einer Metro wieder das Tageslicht erblicken darf, wundert sich nicht darüber. Rücksichtslos sprinten die jüngeren die älteren nieder, nur um eine Fluppe anzustecken und dann oben auf der letzten Stufe den Weg zu blockieren, weil das Feuerzeug kein Feuer spuckt. Die Kälte ist so stark, dass der Dunst von Milliarden Zigaretten nicht nach oben steigen kann. Stellenweise wabbert es wie in einer dieser Diskotheken, die speziell für Menschen wie mich ein monatliches Programm bieten: die Ü-30 Partys. Das ist nicht gut. Denn nun sehe ich nicht mehr, wo ich hintrete und so ist die Wahl zwischen Hundehaufen und Glatteis nicht gerade berauschend. Zum Glück sind meine Schuhe dick. Im Büro kann ich dann sehen, dass nicht alle das Glück hatten, rechtzeitig auszuweichen. Der Verkehr ist zusammengebrochen, was aber nicht am Glatteis liegt, der Verkehr in Paris bricht immer zusammen. Die Err-Ö-Err fährt nur sporadisch und die „Condition climatique“ zwingt die Pariser zu wesentlich weniger chic in der Mode. Wie es die Pariserinnen dennoch schaffen, ihre Mode auch im Winter zu flanieren, bleibt mir ein Rätsel. Anstelle von High Heels trägt man nun entsprechende Absätze an kniehohen Lederstiefeln. Kurz darüber ein Stück Knie in schwarzer Strumpfhose und dann ein warmes, aber kurzes Jäckchen. Die Spaziergänger kann man in zwei Kategorien einteilen. Die einen rennen, weil sie kalt haben, die anderen schlendern, weil sie eh schon eine Nierenbeckenentzündung zugezogen haben. Aber dafür sind ja genug Apotheken da, die entsprechende Mittelchen anbieten. Und vor einigen wird besonders viel Wasser auf den Bürgersteig gespritzt, ich hab‘s genau gesehen. Kommen wir nun zur Rubrik: „Ich weiß was, was ihr hoffentlich noch nicht wisst!“ Was sagt euch der Name: Stephen Sauvestre? (Googeln gilt nicht!) Aha, nichts. Macht nix, und kennt Ihr Gustave Eiffel? Ja? Wieso eigentlich? Es war nämlich nicht Gustave, der versucht hat, mitten in Paris nach Öl zu bohren, sondern jener Monsieur Sauvestre. Lediglich die Baufirma Gustave Eiffel & Cie hat den Turm gebaut, aber eben nicht erfunden oder gar konstruiert. Der arme Stephen kommt nicht mal in Wikipedia vor. Das Wahrzeichen von Paris ist heute überall beliebt, nur nicht von den Parisern.  Am 28. Januar 1887, vor ziemlich genau 125 Jahren also, begannen die Bauarbeiten. Und heute wie damals scheiden sich die Geister daran. Genau 100 Jahre nach der Revolution (also der französischen) konnte man zum ersten Mal den Turm besteigen. Damals noch mit Treppen. Die Aufzüge kamen schon 1935, wurden aber rasch außer Betrieb genommen, damit die Deutschen Besatzer mit hechelnder Zunge oben ankommen mussten. Eine Tradition, der man heute noch gerne nachgeht. In der Regel sind immer 2 von 3 Aufzügen in Hotels oder Kaufhäusern „Hors Service“. Wenn man nur lange genug den Knopf drückt, kommt der eine oder andere doch wider allen Erwartungen. Schlitzohrig waren unsere Nachbarn immer schon. Ausgerechnet ein Mensch namens Victor Lustig bot den gesamten Turm einem Schrotthändler an. Er gab sich als Staatsbeamter aus und ließ sich von ihm bestechen. Drum wurde er auch nicht angezeigt. Auch das ist eine lange Tradition in der französischen Regierung. Die lachen sich hier über unsere Meinung zu Herrn Wulff schlapp. „Welche Probleme habt ihr?“ Monsieur Mitterrand wurde vor Kurzem verurteilt, weil er zu seiner Zeit als Bürgermeister von Paris die Hand aufgehalten hat. Immerhin, er wurde nicht geköpft, aber ähnlich schlimm: 2 Jahre auf Bewährung. Wie er diese Zeit ohne die Zuwendungen aus Industrie und Handel überleben soll, bleibt abzuwarten. Nebenbei bemerkt wird seine Pariser Wohnung von einem guten Freund, einem Fabrikanten, bezahlt. Zurück zu unserem Turm: Das Bauwerk sollte ursprünglich nur 20 Jahre lang in Paris stehen. Aber wie das häufig der Fall ist, Provisorien leben länger. Und so war es auch hier. Man fragte sich, ob man ihn abreißen sollte. Zum Glück für 27 Milliarden Japaner wurde zu genau dieser Zeit extra für den Tour Eiffel der Funk erfunden. Also setzte man flugs eine Antenne drauf (und war damit wieder höher als das Cryslerbuilding in New York, das dem Turm den Rang als höchstes Gebäude 1930 abgerungen hatte.) Dummerweise brachte das Empire State Building dann 1931 den Rekord sofort wieder zurück in die USA und inzwischen, na ja, 800 Meter und mehr ist kein Thema mehr, wie es scheint. Nachts ist der Turm in ganz Paris zu sehen, da er beleuchtet wird. Zu besonderen Anlässen wird er mit kreativen Lichtinstallationen in Szene gesetzt. Zum Beispiel alle Stunde nach acht mit einer aufwendigen Blitzlichtshow, auf die die Betreibergesellschaft des Eiffelturms in der Tat ein Copyright hat. Veröffentlicht man Fotos oder gar Videos davon, muss man Lizenzen bezahlen. Ausnahme sind nur Abbilder, die den Pariser Schandfleck in einem Panorama zeigen. Voilà! Über 200 Millionen Touristen reichen scheinbar nicht und irgendwie muss der Staat ja seine Schulden begleichen. Aber da wir schon beim Flackern sind, wenn ich abends so durch die dunklen Straßen schlendere, fällt mir auf, dass beinahe die Hälfte, wenn nicht sogar ein Drittel der Fensterfassaden finster ist. Offenbar haben Niederländer die Hauptstadt okkupiert, denn an vielen Scheiben ist kein Vorhang. Zuerst dachte ich, dass zahlreiche Wohnungen leerstehen. Doch ich glaube, die Französinnen und Franzosen gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, dem einzigen Grund ihrer Existenz: Sie machen Babys. Das muss so sein, denn nirgends habe ich so viele Shops mit Babyausstattungen auf einem Haufen gesehen wie hier. Jedoch scheinen mir die Folgekosten recht hoch zu sein. In einem Laden namens AUBERT steht ein schmucker Kinderwagen im Schaufenster. Modisches dunkelblau mit effektvollen kleinen weißen Punkten. Die Experten unter euch wissen schon, welche Marke gemeint ist: Chicco. Ich bin überrascht, wie unsterblich dieses Motiv doch ist. Es wird als neuestes Modell angepriesen. Mit dem topaktuellen Muster der Saison. Hm. Gab es schon vor 16 Jahren bei uns. Nur der Preis ist sehr modern: 995 Euro. Man stelle sich vor: 2.000 Mark für einen Buggy. Dafür darf der Kunde dann Servolenkung, ESP und ABS erwarten. Ich betrete das Geschäft und sehe mich um. Alle Verkäuferinnen sind mit schwangeren Kundinnen und den mitgeschleppten Verursachern dieses Umstandes beschäftigt. Ich erfahre, dass der Chicco ein Schnäppchen sein soll: Listenpreis: 1.345 Euro. Mann. Im Supermarkt kaufe ich wie üblich ein belegtes Sandwich für den Abend, Wasser und einen Liter H-Milch. Wie immer reiche ich einen Fünf-Euroschein. Aber der genügt auf einmal nicht mehr. Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass der Liter Milch von 0,98 Euro im Mai letzten Jahres auf 1,28 hochgeschnellt ist. Ich kann es nicht glauben, aber ein Quercheck durch zahlreiche Filialen bestätigen das. Trinkwasser (3 Liter) ist von 0,89 aus 1,15 gestiegen. Die billigste 1,5-Literbombe von 0,18 auf 0,25 Euro. Ich überlege, ob ich mir noch Baby-Bel leisten kann, die kann man so schön knabbern, wenn im Zweiten nach Übeltätern gefahndet wird. (Hab ich schon mal gesagt, dass ich nur das ZDF bekomme? Nein? Ein Kollege in einem anderen Hotel hat es schlimmer erwischt. Er kriegt nur SAT.1!) Ich verzichte auf den Käse. 12 kleine Scheibchen 4,98 Euro. Und es geht weiter: ein Pack Kinderschokolade 3,15 Euro. (Sie heißen wirklich Kinderschokolade und Kinder Surprise und Kinder choc). Ein Ü-Ei für 1,50. Tja, da bleibt man doch besser im Lande und kauft bei uns ein. Oder doch nicht? In der Rue Quatre September ist ein Nobel Fahrradhändler. Schicke, schlanke Gestelle, ohne Gangschaltung, Licht oder Scheibenbremsen für rund 5.000 Euro. Ein passendes Schloss gibt‘s für läppische 98 Euro dazu, sieht aber Scheiße aus. (Pardon: C‘est une vue de la merde). Und das Bike ist so schmal, dass das Bügelschloss nirgends befestigt werden kann. Ach, was sind das für tolle Holländerräder, die man weiter nördlich kaufen und vor allem fahren kann. Ein Stückchen weiter ist ein exklusiver Lader mit ausgesuchten Spielen. Back Gamon für 500 Euro, ein Pokertisch für 4.000, da verzieht es auch meine Mine nicht mehr. Stur winken und lächeln, Leute. Direkt daneben gibt es Puzzles von Michéle Wilson. Die Teile werden (angeblich) von Hand ausgesägt und gelten als extrem schwierig. 2.000 Teile kosten rund 500 Euro. 250 Teile (an denen man schon mal mehrere Tage sitzen könnte) kommen auf 150 Euro. 60 Cent für ein Puzzleteil. Da lohnt sich sogar das Bücken, wenn es runterfallen ist. Hm. Dann doch lieber Pappe statt Holz. Aber toll sehen sie schon aus. Auf jeden Fall besser als die Fahrräder. Und es geht noch doller. Sie haben auch ein 5.000er für 1.000 Euro. Respekt. (Sorry: 999,50, korrekt muss man schon sein!) In einem der letzten Blogs habe ich über die Mülltrennung in unserem Nachbarland gesprochen. Aber vieles ist auf dem Weg der Besserung. Das Joghurt mittags beispielsweise kam stets in einem echten Keramiktöpfchen. Das hat keiner weggeworfen, sondern jeder hat sie gesammelt (ich habe auch einige davon). Sehen hübsch aus und sind praktisch. Das hat nun ein Ende. Endlich sind die Töpfe aus Glas und können recycelt werden. „Pot en Verre recyclable“ prangt auf einem grünen Schildchen. Gleich darunter in einer anderen Sprache. Da wir Deutsche uns stur weigern, die französischen Staatslasten zu zahlen, lernen die Franzosen statt Deutsch nun Niederländisch: „Recyclebaar Glazen Potje“ und aus Yaourt à la vanille wird „Joghurt Met vanille“. So sieht es aus. Frau Merkel, bleiben Sie hart! Und noch was. Glas ist schwerer als Keramik, drum ist weniger drin. Statt 165 Gramm nur noch 145. Und Umweltschutz hat seinen Preis. Jetzt kostet es 85 Cent, im Tontöpfchen waren es nur 82! Sauber. Wenn man das kleine Schildchen genauer untersucht, entdeckt man eine von zwei Lebensweisen: Man kann den Pot en Verre wiederverwenden, man muss aber nicht. Jawoll. So ist es. Vieles im Leben der Franzosen ist machbar, aber nicht unbedingt notwendig. Bei uns ist es umgekehrt. Vieles scheint notwendig, aber nicht realisierungsfähig und vieles muss man machen, macht es aber nicht. Und das, was man macht, hätte es bei uns nicht gebraucht. Tja, deutsch eben! Das zweite Geheimnis der Grande Nation ist: „Pardon!“ Bei meinen Besuchen in den USA denke ich oft, 75 Prozent des Wortschatzes dort lauten: „Excuse me!“. Die Amis sind ein Volk, dass sich ständig entschuldigt. „Bitte verzeihen sie, dass ich hier in der Schlange vor Ihnen stehe und Sie sich vordrängeln.“ „Tut mir leid, dass ich ausgerechnet jetzt Ihren Weg gekreuzt haben und Sie mit mir zusammengerasselt sind.“ „Da kann ich nichts dafür, dass ich die letzte Brezel ergaunert habe, und das Fach nun leer ist.“ „Sorry, aber das ist ein Banküberfall.“ So und so ähnlich verhält es sich in der Grande Nation. Und der Franzose macht es nach oder hat es vorgemacht. Das meist gesprochene Wort (direkt nach Merde!), ist zweifellos „Pardon!“ Man entschuldigt sich für alles und jedes. Dabei gibt es zwei Varianten. 1. „Pardon, dass ich ihnen gerade den Ellbogen in die Rippen gestoßen habe.“ 2. „Pardon, dass Sie mir gerade das Knie in meinen Unterleib gerammt haben.“ Unentwegt entschuldigen sie sich, dafür, dass sie geboren sind und dafür, dass sie das Geld nur so aus dem Fenster geworfen haben und jetzt Pleite sind. Dafür, dass die Croissants in Wien tausendmal besser schmecken als die krümeligen trockenen Blätterteigdingsbumse in Paris und dafür, dass Frankreich die Deutschen daran hindert, den Atlantik zu erreichen. Nur beim Vordrängeln in einer Warteschlange unterscheidet sich der Franzmann vom Ami. Während der USAler das schluckt und freundlich lächelt, bevorzugt der Franzose ein deutliches „Pardon“, allerdings erst nach der Variante eins, siehe oben. Einzig im Straßenverkehr mit den Autos existiert kein Vordrängeln, Pariser fahren nämlich entweder ohne Außenspiegel oder sie nutzen ihn nicht, weil sie ihn sowieso nicht dort vermuten, wo er ist. Meist wird er zum Nachziehen von Lippen oder Augen mit Mascara genutzt. So gibt es auf den breiten Boulevards absolut keine Fahrlinien, von Rechts- und Linksabbiegerpfeilen wie bei uns ganz zu schweigen. Man fährt nicht gerade aus und selbst eine Schlangenlinie ist kein Indiz für übermäßigen Alkoholgenuss. In Paris wäre Frau Käßmann noch in Amt und Würden! Einige Autos klappen den Außenspiegel beim Parken automatisch ein, was Sinn macht, wenn denn einer da ist. Lkws haben ihn so angebracht, dass man seine eigene ganze Fahrzeugseite beim Überholen auframmt, ehe der gegnerische Spiegel am Laster gekappt wird. Dennoch muss ein Pariser Auto vollständig sein, und genau da guckt man hier gerne zweimal nach. An dem Boulevard Hausmann baut sich dieser Tage eine Polizeikontrolle auf. Ja, auch so etwas gibt es. Sie sperren einen gesamten Fahrstreifen mit lustigen roten Hütchen und es warten gleich zwei Transporter darauf, Schwerverbrecher aufzunehmen. Die Polizei untersteht der Stadt, die Gendarmerie dem Innenminister oder umgekehrt, ist eh egal. Jedenfalls arbeiten beide selten synchron miteinander. In Deutschland erleben wir das auch gerade zwischen den Landeskriminalämtern und dem Verfassungsschutz. So ähnlich läuft es hier. Die Police nationale baut auf einem echt schicken Alutischchen einen winzigen Mini Netbook auf. Er ist dick gepolstert mit kräftigen Gummikanten. Aha, hier lernt man schnell, das Ding fällt wohl öfter auf das Trottoir. Die Untersuchung dauert lange, man richtet sich ein: Neben dem Tisch steht ein gewaltiger Stromgenerator mit drei Kanistern Benzin. Der Generator hat nur eine Steckdose und dort stöpselt einer der Flics den Netbook ein. Bienvenu en asile, kann ich da nur sagen. Sieht cool aus. Besser ich gehe weiter, ich habe keine Ahnung, wie man hier reagiert, wenn man das fotografieren will und KEIN Japaner ist. Und gegen Ende ist auch der Winter geknackt. Es sind 13 Grad und man isst wieder draußen. (Ja: isst mit zwei S, weil von Essen). Inzwischen ist der Verkehr aus anderen Gründen zusammengebrochen. Eis ist es nicht, wahrscheinlich die Hitze. Es sind Ferien und es geschieht ein Wunder. Pariser Taxifahrer sind nie da, wenn man sie braucht, sie sind rüpelhaft und launisch. Da es nicht viele gibt (die Gewerkschaft verhindert seit Jahren erfolgreich eine Ausdehnung der Lizenzen), wissen sie genau, wenn ich auf sie warte, dann bin ich in zehn Minuten auch noch da. So lassen sie mich stehen oder besser, sie umkreisen meinen Block drei Mal, ehe sie sich bequemen, mich mitzunehmen. Ein Grund, warum ich so begeisterter Metro Fahrer bin. Aber jetzt ist Paris wieder ausgestorben. Und die Taxifahrer warten am Rand und lauern auf Kundschaft. Ach, dass ich das noch erleben darf. Wartende Taxis in Paris. Wunderbar. Der Frühling kann kommen!